Herbstblues

Tiefer Nebel bedeckt das gesamte Tal. Es ist nichts zu sehen, keine Sonne, keine klaren Farben. Was bleibt ist eine Idee - den Herbst fest zu halten, solange es noch geht. Und ein letztes Mal die Gegenwart der Berge ohne Winter zu spüren.

Also ab ins Auto und darauf hoffen, dass es weiter oben die Sonne geschafft hat ihren Platz zu behaupten. Man wandert also durch den feuchten tiefgrauen Wald und verliert langsam die Hoffnung. Melancholische Gedanken gewinnen die Oberhand und erzählen im Kopf ihre eigenen Geschichten - über Vergänglichkeit. So spielt der Herbst; einmal im Jahr wird man daran erinnert, dass trotz allem Modernen und Fortschrittlichem ein Kreislauf besteht, der größer ist als man selbst.

Man hält kurz inne, es drückt und die Frage wird laut, ob es das alles wert ist. Genausogut könnte man die Kamera wegpacken und nach Hause fahren. Dort ist es warm und das Feuer im Ofen gibt einem Kraft. Dazu trinkt man Tee. So ergibt man sich also der Gemütlichkeit und beschließt, umzukehren. Beim Umdrehen zeichnet sich schon auf dem Boden das bevorstehende Ereignis ab. Die Schatten der einzelnen Blätter werden schärfer und ein Schauer aus Adrenalin erfüllt den müden Körper - die Sonne. Plötzlich wird enem klar, was es mit dem Herbst auf sich hat. Das ganze Jahr über gibt es kein bedrückenderes Grau und dennoch ist er zu Farben fähig, wie es sie nur an einem Herbstmorgen gibt. Fast verschüchtert von den Impressionen greift man vorsichtig zur Kamera, als ob der Moment zerbrechlich wäre. Das anschließende Foto bleibt wie gewohnt nur ein kläglicher Versuch, etwas festzuhalten, was so einmalig wie jede Schneeflocke ist. Das Foto selbst soll die Geschichte erzählen. Ohne ihr ist das Foto einfach nur nett anzusehen.

 

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